• Category Archives Rezension
  • Rezension: Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft

    Das ist die Rezension von der ich nie gedacht habe, dass ich sie machen werde. Wer von euch kennt den CORA Verlag aus Hamburg? Der Verlag ist für seine Liebes-, Arzt- und Adelsromane bekannt, die man an Kiosks und im Bahnhofsbuchhandel findet (z.B. die Tiffany-und Baccara-Reihen), hat in letzter Zeit aber auch in die Horror, Fantasy und Romantic Thriller Sparte expandiert.
    Ja, jetzt will er auch im gerade populären Steampunkbereich Fuß fassen und veröffentlicht ab dem 15. April die als Episodenroman ausgelegte Steampunk-Saga.
    Tja, und so begab es sich, dass ich eine wirklich ausgesprochen nette Email in meinem Postfach fand (gefolgt von einem sehr angenehmen Telefonat) mit der Bitte, mir den ersten Teil, Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft, anzusehen und zu rezensieren. Das habe ich auch prompt gemacht.
    Bevor ich mit der Rezension beginne, muss ich noch was vorausschicken, da ich leider nicht ganz vorurteilsfrei an die Sache ran gegangen bin.

    1. Wer diesen und v.a. meinen englischen Blog liest, weiß das Liebesromane nicht so wirklich mein Fall sind, die Steampunk-Saga ist aber eine Steampunk-Mysterie-Romanze.
    2. Ich war lange Zeit aktiver Perry Rhodan Sammler und bin immer noch Fan, in geringerem Maße gilt das auch für John Sinclair, ich bin Schema-Literatur an sich nicht abgeneigt.
    3. Ich gehöre nun wirklich nicht zur Zielgruppe des CORA Verlages

     

    Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft

    Wie dem auch sei, ich erwartete Klischees, eine einfache Handlung und dass ich das Ebook nach spätestens 20 Seiten löschen würde, tatsächlich fand ich folgendes:

    Was die Klischees und die einfache Handlung angeht, wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht, das kreide ich dem Autor „Steve Hogan“ auch gar nicht an, diese Art Roman wird im Wochentakt geschrieben, da kommen keine Nobelpreiskandidaten heraus. Kurz zusammengefasst geht es im ersten Teil der Steampunk-Saga um die Dampfkutter Pilotin Katherine „Tinker-Kate“ Fenton, die 1851 in einem alternativen London ihren Lebensunterhalt damit verdient, mit dem von ihrem Vater geerbten Dampfkutter, eine Art dampfgetriebener Gyrokopter oder Hubschrauber, Passagiere durch London zu fliegen, als eine Art Taxiservice. Tinker-Kate ist fast mittellos, eine Waise, Anfang 20, ausgesprochen attraktiv, weiß sich zu helfen und ist der Archetyp der schönen Heldin, die auf sich aufpassen kann. Außerdem ist sie als Spitzel für die Metropolitan Police tätig und wird dadurch in mysteriöse Ereignisse verwickelt, hinter denen möglicher Weise ein Vampir steht. Dass sie im Zuge der Ereignisse auf einen ausgesprochen gut aussehenden (und vielleicht sogar wohlhabenden) jungen Mann trifft, muss fast nicht erwähnt werden. Damit ist die Handlung auch schon zusammengefasst.

    Was mich jetzt wundert, obwohl die Handlung einfach und voraussehbar ist, die Charaktere wandelnde Klischees sind und die Steampunkelemente sich auf Dampfkutter und Luftschiffe beschränken, ist Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft wirklich gut zu lesen. Zugegeben, ich hatte einige Momente bei denen ich mit den Zähnen geknirscht habe und mehr als einmal dachte ich mir „Und jetzt kommt X“ und X kam, aber Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft macht Spaß. Steve Hogan versteht sein Handwerk und hat hier den ersten Teil eines Steampunk-Episodenromans abgeliefert, der handwerklich und inhaltlich für das was er ist, Escape-Literatur, nichts zu wünschen übrig lässt. Wie gesagt, die Steampunkelemente sind sehr oberflächlich, aber vielleicht ändert sich das mit den nächsten Teilen noch und vielleicht sind sogar noch ein paar Überraschungen in der weiteren Handlung drin.

    Mir hat Tinker-Kate und die Geheime Bruderschaft auf sehr seltsame Weise Spaß gemacht, auch das spricht für Mr. Hogans Können. Der Roman ist das literarische Equivalent eines B-Movies. Man ließt ihn nicht wegen der Qualität, sondern weil man leichte Unterhaltung will, und da brilliert er.  War sehr leichte Kost, aber für das was es ist, nicht übel. Mal sehen, was Teil Zwei bringt.

    (Nach den üblichen Richtlinien 7 von 10 Zeppelinen, aber sehr seltsame Zeppeline)

     


  • Rezension: Bookman -Das Ewige Empire von Lavie Tidhar

    Bookman – Das Ewige Empire wird erst in einigen Tagen veröffentlicht, deshalb versuche ich die Spoiler hier raus zu halten.

    Die Handlung spielt in einer alternativen Version des 19. Jahrhunderts. Die Zeitlinie hat sich von unserer im frühen 16. Jahrhunder geteilt, warum, wird nicht verraten.
    Kurz gesagt ist Bookman -Das Ewige Empire ein äußerst lesenswerter, kurzweiliger Roman und definitiv Steampunk auf der ganzen Linie und auf verschiedenen Ebenen. Zum einen spielt er in einer Welt voller Luftschiffe, dampfbetriebener Roboter und einer riesigen Kanone, die der Raumfahrt dient. Das Buch ist aber für sich genommen euin wunderbar in sich verzahntes Kunstwerk, wie ein Uhrwerk. Die Tiefe und Verzahnung der Geschichte wird langsam, Stück für Stück und Rädchen für Rädchen enthüllt, was Bookman zu einem faszinierenden, spannenden und fesselndem Werk macht.

    Die anhaltenden Faszination liegt vor allem daran, dass die Handlung bis zum Ende spannend bleibt. Es gibt ein paar überraschende Wendungen, die alle am Ende Sinn machen, aber ich bin ein paar Mal davon ausgegangen, das speil des Bookman durchschaut zu haben, nur um mich eines besseren belehren lassen zu müssen.
    Am Ende hatte ich dann ein sehr komplexes und faszinierendes Bild einer Steampunk-Erde im Kopf. Ganz wundervoll.

    Lavie Tidhar schafft nicht nur eine eigene Welt, sondern eine ganze Realität. Er verwebt historischee Persönlichkeiten mit fiktiven und lässt sie gemeinsam auftreten (Minispoiler: Jules Verne ist mit Kapitän Nemo befreundet, klingt seltsam, macht aber innerhalb der Geschichte absolut Sinn).
    Ander Charaktere, wie Dr. Marbuse, werden nur am Rande erwähnt und treten selbst nicht auf.

    Es ist wenig überraschend, dass Bücher innerhalb der handlung eine große Rolle spielen, darauf kann man schon vom Titel schließen. Die Auswahl fiktiver Bücher, auf die der Protagonist stößt, ist erstaunlich und einige, wie Schwer liegt die Heuschrecke, sind von einer Aura des Irrealen umgeben. Bücher zeigen den Weg in Bookman, Bücher haben Macht und Bücher verwischen die Grenzen der Realität.
    Es ist einiges sehr mysteriös und fast surreal in Bookman, ein weiterer Grund, warum das Buch so undurchsschaubar und faszinierend ist.

    Der letzte Punkt auf den ich eingehen möchte, ist Lavie Tidhar’s Umgang mit Mythologie in Bookman. Seine version der Erde hat ihre eigenen Mythen, und diese lassen faszinierende Rückschlüsse auf die unerwähnte Geschichte zwischen dem 16. Jahrhundert, der Gegenwart von Bookman und der Grauen Vorzeit zu.

    Am Ende hat Orphan, der Protagonist, Nomen est Omen, sein Ziel erreicht, aber die Geschichte des Bookman ist noch lange nicht zu Ende und einige Fragen bleiben unbeantwortet… Bleibt nur, der Fortsetzung entgegen zu fiebern.

    Ich kann Bookman -Das Ewige Empire nur jedem Steampunker ans Herz legen. Ein faszinierender, vielschichtiger Steampunkroman, der in keiner Sammlung fehlen sollte.

    10 von 10 Zeppelinen

    Wer jetzt Lust bekommen hat, Bookman – Das Ewige Empire gibt es

    als Taschenbuch und für Kindle.

     


  • Rezension: Until the End von Escape the Clouds

    Da ist sie, die erste Rezension eines Albums auf der deutschen Seite des Blogs.

    Lange genug hat es gedauert, aber dafür ist das Album auch etwas Besonderes. Zwei Dinge, die mir gleich von Anfang an gefallen haben: Das Album ist tendenziell martialisch und außerdem ist es Elektronica.

    Das also vorweg. Kommen wir nun zu einer genaueren Betrachtung. Until The End erzählt mit jedem Titel eine Geschichte, die ein  Gesamtbild einer Steampunk/Dieselpunk/Weird West Alternativerde ergeben. Somit eignet es sich hervorragend als Inspiration für Rollenspielabenteuer, Kunstwerke oder Kurzgeschichten.

    Das Album deckt eine sehr weite Spannweite an Stilen und Themen ab: Die Mehrzahl ist, wie ich erwähnte, martialisch (was mir sehr gut gefällt), es gibt Sozialkritik und Lady in Waiting, featuring Unwoman, ist ein sehr heißer Track, in jeder Hinsicht.

    Besonders Bemerkenswert: Escape The Clouds ist ein Soloprojekt. Die ganze Kreativität und Inspiration des Albums entspring einem einziegn Kopf und Geist, dem von Mark Rossmore.

    Ich bin sehr beeindruckt von Until the End, und der Trend, den ich schon auf der englischen Version dieses Blogs beschroieben habe, setzt sich fort. Ich habe bis jetzt noch kein Setampunk/Dieselpunk Album gehört, das mir nicht gefallen hat.

    Until the End ist ganz hervorragend, inspirierend uns absolut empfehlenswert.

     10 von 10 Zeppelinen

    Und hier zum reinhören, Until The End und Circumnavigator von Escape the Clouds. Circumnavigator habe ich hier rezensiert.

     

    Escape The Clouds findet man übrigens auf Bandcamp und auf Facebook.


  • Iron Sky – Seht euch den Film an!

    Iron Sky ist wahrscheinlich einer der meisterwartesten Filme des Jahres 2012. Manche von uns warten schon seit Jahren darauf, ich auch. Das warten hat sich gelohnt. Ein phantastischer Film!

    Mond Nazi Sturmtruppen

    Wo soll ich anfangen? Der Hintergrund allein ist schon Garant für einen außergewöhnlichen Film. Nazis, die 1945 auf den Mond geflüchtet sind und von dort aus die Erde zurückerobern wollen. Nachdem sie einen afro-amerikanischen Astronauten gefangen nehmen, sind sie der Überzeugung, eine Invasion von der Erde stehe kurz bevor. Der Chefwissenschaftler Doktor Richter (Thilo Prückner) findet heraus, dass das Mobiltelefon von James Washington der Schüssel zur Vollendung der Wunderwaffe ist, an der die Mondnazis seit 1945 bauen. Bevor diese aber starten kann, geht dem Handy der Strom aus.
    Daraufhin wird eine Spezialmission unternommen, um mehr Mobiltelefone zu beschaffen und von da an nimmt das Unheil seinen Lauf.
    So, mehr wird über den Plot von Iron Sky nicht verraten, sonst verderbe ich noch jemandem den Spaß am Ansehen. Ich kümmere mich lieber mal um die Fakten.
    Iron Sky wurde mit dem vergleichsweise minimalen Budget von Fünfmillionen Euro umgesetzt. Man sieht es dem Film nicht an. Das finnische CGI/Special Effects Team hat ganz phantastische Arbeit geleistet.
    Weiter geht es mit der Besetzung: Mein Kompliment an die Casting-Crew. Julia Dietze und Otto Götz verkörpern ihre stereotypischen Nazis, arische Schönheit und kernigen Waffen-SS Offizier, ganz hervorragend. Beide könnten direkt aus einem Propagandaposter gestiegen sein. Thilo Prückner als verrückter Wissenschaftler ist ein Genuss und Christopher Kirby als James Washington bringt meiner Meinung nach die beste schauspielerische Leistung des Films.

    Die Geschichte selbst lebt von den superben Schauspielern, der irrwitzigen Handlung und den köstlichen Seitenhieben auf die gegenwärtigen politisch-wirtschaftlichen Zustände und besonders den Anspielungen auf die US Politik. In bester (oder schlimmster) Waffen-SS-Manier macht Iron Sky hier keine Gefangenen. Der Film ist eine Space-Nazi-Komödie, aber eine sehr bittere, mit bittersüßem Ende.

     

    Haunebu Reichsflugscheibe im Hangar auf dem Mond

    Iron Sky ist eine Independent-Produktion, der man das Budget nicht ansieht und die jederzeit mit einem Hollywood Blockbuster mithalten kann. Die Handlung ist wesentlich tiefer, intelligenter und durchdachter als bei den meisten erfolgreichen Hollywoodproduktionen der letzten Jahre. Natürlich ist der Hintergrund total absurd, aber vor diesem Hintergrund macht die Handlung sehr viel Sinn.
    Das letzte Highlight ist der Soundtrack, für den die slowenische Band Laibach verantwortlich ist. Die Nationalhymne der Mondnazis allein… Ein Geniestreich. Der Soundtrack fügt sich fugenlos ins Gesamtbild und komplettiert es.

    10 von 10 Zeppelinen bzw. Reichsflugscheiben für Iron Sky.

    Wenn ihr euch nur einen Film in 2012 anseht, dann sollte es dieser sein! Pflichtprogramm für alle Dieselpunks!