• Category Archives Science Fiction
  • Die Zukunft von damals, wie wunderbar Retro!

    Auf Arte (einem der wenigen Sender, die man noch sehen kann), gibt es folgende Dokumentation über das Bild der Zukunft, wie man es sich in den 1960ern vorstellte, in der Mediathek zu sehen.

    Da die netten Leute von Arte so freundlich sind, einen Code Zur Einbindung auf eine Website zur Verfügung zu stellen, kann ich die Doku hier sogar zum Besten geben. Bitte schaut sie euch an, sie ist wirklich hervorragend und ausgesprochen unterhaltsam. Ganz besonders deswegen, weil wir uns ja inzwischen in der Zeit befinden, von der damals geredet wurde.
    Also. zurücklehnen und genießen:

    Und wenn ihr gerade keine Zeit habt, dieses Gif aus Raumpatrouille Orion fasst den Inhalt auch ganz gut zusammen (auf den Tanz im Hintergrund achten):

    Raumpatroullie Orion Tanz


  • Signal-Boost: Das ist ja gar kein Science-Fiction

    Ich fühle mich gerade genötigt, Signal-Booster für meinen guten Freund Stefan zu machen, der einen wunderbaren Kommentar zu den selbsternannten Wächtern der echten Science-Fiction, ihr wisst schon, die aus der guten alten Zeit, als Raumschiffe noch echte Raumschiffe waren, Strahlenpistolen noch echte Strahlen verschossen und so weiter, geschrieben hat.
    Leider ist Science-Fiction inzwischen alt genug, um dieser Art Fans zu haben, die nur das als echt und wahr bezeichnen, was sie selbst aus ihrer Kindheit und Jugend kennen und alles, was nach ihrem vierzigsten Geburtstag dazu kam kategorisch ablehnen.

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    All diesen ist der Stefans Kommentar gewidmet. Hier ein Auszug:

     

    Ich habe es über die Jah­re im­mer wie­der mal ver­nom­men, zu­meist von al­tern­den SF-„Fans“, die laut­stark die An­sicht ver­tre­ten, dass selbst­ver­ständ­li­ch „frü­her al­les bes­ser war, und das doch al­les kei­ne Sci­en­ce Fic­tion sei“. Frü­her, das ist ein nicht ganz ge­n­au zu be­zif­fern­der Zeit­raum, aber eben nicht heu­te. Aber ich schwei­fe ab. Was habe ich ge­n­au ver­nom­men? Die zu­meist auf­ge­bracht vor­ge­tra­ge­ne The­se, dass dies und je­nes, oft Pop­kul­tur, in Wirk­lich­keit gar kei­ne Sci­en­ce Fic­tion sei, son­dern nur … ir­gend so ein Mist. Je nach Al­ter (es sind nach mei­ner Be­ob­ach­tung tat­säch­li­ch über­wie­gend die äl­te­ren SF-An­hän­ger), Geis­tes­zu­stand und Fa­na­tis­mus­le­vels des Vor­tra­gen­den wird ver­schie­de­nen Spiel­ar­ten der SF pau­schal ab­ge­spro­chen, tat­säch­li­ch Sci­en­ce Fic­tion zu sein, in den meis­ten Fäl­len ohne in­halt­li­che Be­grün­dung, son­dern nur mit ir­gend­wel­chen has­tig vor­ge­tra­ge­nen Schimpf­wor­ten, oder schwumm­ri­gen Schein­ar­gu­men­ten, die we­nig durch­dacht er­schei­nen. Ger­ne vor­ne­weg kri­ti­siert im­mer wie­der mal STAR WARS, heut­zu­ta­ge nimmt man sich be­vor­zugt die di­ver­sen Spiel­ar­ten des Su­per­hel­den-Gen­res vor, aber so­gar der Er­for­schungs- und Ent­de­ckungs­se­rie STAR TREK wird ab­ge­spro­chen, tat­säch­li­ch SF zu sein. Weil? We­gen!

     

    Den vollständigen, extrem lesenswerten, Beitrag gibt es hier auf Phantanews.
    Also: Hinsurfen und lesen!


  • Zwischen Astromechs und der 501. Legion

    Manchmal passieren auch an einem so heruntergekommenen Ort wie der Stadt, in der ich momentan wohne (nein, es ist nicht Mos Eisley, außerdem gibt es hier gar keinen Raumhafen), epische Dinge.

    Als wir hier neulich in der Mediothek waren, sahen wir einen Aushang, der einen bald kommenden Star Wars Tag ankündigte, und da die ganze Familie Star Wars Fans sind, gingen wir natürlich hin.

    Es war großartig! EPISCH!

    Drei Mitglieder der deutschen Garnison der 501. Legion waren anwesend, Kylo Ren, ein Scout Trooper und ein klassischer Stormtrooper, es gab Lesungen für Kinder (u.a. „Wie werde ich ein Jedi“) und ein ganzes Rudel der wunderbaren Ingenieure von Astromech.de (wenn ich mich nicht verzählt habe waren es mindestens sieben) waren ebenfalls am Start. Das ist auch der Grund, weshalb diese beiden Videos entstehen konnten. Der eine Astromech ist unschwer zu identifizieren, der andere ist ein Hybrid. Der Kopf ist der des offiziellen Astromechs der Star Wars Celebration Germany, der Torso stammt natürlich, wie unschwer zu erkennen ist, von R2D2.

    Hier noch einige Bilder, leider habe ich es total versäumt, von den Mitgliedern der 501. eines zu machen, dafür habe ich mich gut mit ihnen unterhalten, aber dazu später mehr, hier erst mal Bilder:

    Wie man sehen kann, erfreuten sich die versammelten Droiden bei den zahlenmäßig stark vertretenen Kindern (für die die Veranstaltung auch war) großer Beliebtheit, und nicht nur bei denen…
    Außerdem gab es noch eine Proberunde X-Wing (das Tabletop Spiel) (und ich kann nur sagen Y-Wings FTW!) und Star Wars Lego auf der X-Box.

    Abschließend möchte ich die Gelegenheit nutzen, der 501. meinen persönlichen Dank auszusprechen. Kylo Ren hat mit wenigen Worten etwas geschafft, was mit normalen Erziehungsmethoden bei meinem Sohnemonster nichts bewirkt hat: Ihn von der Wichtigkeit des Zähneputzens überzeugen!


  • Verlagsvorstellung: Art Skript Phantastik

    In Sachen Phantastik geht in Deutschland deutlich mehr, als man so denkt, was gerade daran liegt, dass sich die meisten großen Verlage darauf beschränken, englische Werke zu übersetzen und Veröffentlichungen von heimischen Autoren dann eher eine Sache der kleineren Verlage ist. Einige der kleineren Verlage habe ich ja schon vorgestellt und hier kommt der nächste:

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    Art Skript Phantastik

    Über sich selbst sagt der Verlag:

    Der Art Skript Phantastik Verlag ist spezialisiert auf Dark Fantasy und Steampunk. Mit skurrilen Geschichten, außergewöhnlichen Welten und neuen Charakteren bettet sich der kleine Verlag in seine ganz eigene Nische auf dem Markt der Kleinverlage ein.

    Weg vom Mainstream und Kopien amerikanischer Bestseller, hin zu deutschsprachigen Originalen, willkommen auf der dunklen Seite der Phantastik. Nach diesem Motto führt Verlegerin und Grafik-Designerin Grit Richter den Verlag seit dem 01.01.2012 und konnte bereits einige Aufmerksamkeit erregen. Diverse Nominierungen beim Deutschen Phantastik Preis für die Romane und Anthologien des Verlages zeigen, dass die ungewöhnlichen Geschichten auf dem Markt Anklang finden.

    Auch in Zukunft wird der Verlag an diesem Konzept festhalten. Deutschsprachige Autoren und ausgefallene Fantasy – Ja, es funktioniert!

     

    Und gerade in Sachen Steampunk hat der Verlag so einges vorzuweisen, wie man hier in der entsprechenden Abteilung des Verlages sieht.

    Die Anthologie „Steampunkakte Deutschland“ ist auch für den Deutschen Phantastikpreis 2015 nominiert, was natürlich für Qualität spricht (meine nicht ganz unvoreingenommene Meinung).

    Besonders freundlich für den Leser unter Zeitdruck, der vielleicht nur im Pendelzug oder vor dem Zu Bett Gehen die Muße hat, zu lesen, ist, dass Art Skript Phantastik gerade im Bereich Steampunk mehr Anthologien als Romane im Programm hat, die sich für den Gelegenheitskonsum von Literatur natürlich sehr gut eignen.

    Hier eine Auswahl der Anthologien aus dem Bereich Steampunk:

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    Also: Schnell den Verlag besuchen und das Programm ansehen!


  • Der Weihnachtsfriede von 1914 – Mit alternativem Ausgang

    Heute vor 100 Jahren begann der Weihnachtsfrieden an der Westfront. Ich habe das zum Anlass genommen und im Rahmen des NaNoWriMo eine bereits bestehende (englische) Kurzgeschichte zu einem Roman ausgebaut. Hintergrund ist ein anderer Verlauf der Ereignisse zu Weihnachten 1914. Der Weihnachtsfrieden wird häufig als das letzte Aufflackern des Geistes der Belle Epoque gesehen.
    In dieser alternativen Geschichtsversion war es nicht nur ein Aufflackern.
    Also, hier ist die ursprüngliche Kurzgeschichte und ein Sneak Peek in den Roman:

    Zwei Freunde erinnern sich

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    Der tiefblaue Himmel reichte von einem Horizont zum anderen. Keine Wolke, die Schatten spendete oder Regen versprach, kein Windhauch, der Abkühlung brachte. Der alte Mann saß in seinem Arbeitszimmer am Schreibtisch vor dem Fenster, das Kratzen des Füllfederhalters auf dem Papier das einzige Geräusch in der Nachmittagshitze. Die Hitzewelle lag schon seit Tagen über Louveviennes und er wurde allmählich zu alt für dieses Wetter, aber den ganzen Tag im klimatisierten Salon zu sitzen, das war auch nichts für ihn. Vielleicht sollte er seinen Gast fragen, ihn später mit nach Paris zu nehmen. Er erhob sich etwas schwerfällig und griff nach dem Krug mit Wasser auf dem Tisch neben sich, dann füllte er das Glas auf dem Schreibtisch. Aus der Ferne kam ein Motorengeräusch, das musste sein Gast sein.

    Das Auto hielt in der Auffahrt und sein alter Freund stieg auf der Beifahrerseite aus. “Joseph!” rief der Neuankömmling dem alten Mann zu und breitete die Arme aus.
    “Alexandre, ich bin so froh, dass Du die Zeit finden konntest.”
    Die beiden alten Herren umarmten sich.
    “Und wer ist dieser feine junge Mann?” Auf der Fahrerseite war ein Mann von etwa zwanzig Jahren ausgestiegen. “Er ist nicht nur Dein Fahrer, nehme ich an?”
    “Joseph, darf ich vorstellen, Monsieur Granaukas, er ist ein litauischer Ingenieur.”
    Joseph kniff die Augen zusammen. Der junge Mann kam ihm bekannt vor. Wahrscheinlich einer dieser jungen Technokraten von denen man so viel in den Zeitungen las.
    “Lasst uns in den Salon gehen, Gustave hat bereits Erfrischungen vorbereitet.”

    Der Salon war angenehm klimatisiert. Im hinteren Bereich des Zimmers war eine moderne Apparatur angebracht, die den Raum bei jedem Wetter bei 21°C hielt, auf Geheiß von Josephs Arzt. Gewöhnlich waren Klimaanlagen fast unerschwinglich, aber Alexandre hatte dafür gesorgt, dass Joseph sie als Geschenk der Siemenswerke erhielt.
    Die drei Männer saßen an einem Tisch aus Mahagoni, Gustave hatte bereits Limonade und Sandwiches vorbereitet.
    “So, Alexandre, nun erzähl mir, wie war New York. Ich hätte mir die Weltausstellung ja gerne selbst angesehen, aber meine alten Knochen verkraften lange Reisen nicht mehr so gut.”
    “Du hast ehrlich gesagt nicht viel verpasst, erinnerst Du dich noch an die Linienluftschiffe, die wir 1919 auf der Weltausstellung in Barcelona vorgestellt haben?”
    “Aber natürlich, diese Riesen haben den Himmel verdunkelt.”
    “Dieses mal haben alle wieder nur die Luftschiffe sehen wollen, aber große Neuerungen gab es da nicht, nur Luxusschnickschnack. Kaum einer hat die Armstrong-Whitworth Gezeitengeneratoren sehen wollen, die sind wirklich revolutionär.”
    “Wir wollen sie in der Ostsee entlang der baltischen Küste installieren.” Es war das erste Mal, dass der junge Mann etwas sagte, seit sie am Tisch Platz genommen hatten.
    “Alexandre, warum erzählst Du Joseph nicht, was Du planst?”
    “Oh, Dein Freund heiß auch Alexandre.” Joseph wandte sich de jungen Mann zu. “Monsieur Granaukas, ich bin ausgesprochen gespannt zu hören, was Sie vor haben.”
    “Nun, Marechal…”
    “Aber bitte, ich bin schon lange im Ruhestand. In meinem Haus nennen mich meine Freunde Joseph.”
    “Selbstverständlich…” der junge Mann lächelte etwas verlegen. “Ich habe einen Plan entworfen, eine Anzahl Generatoren als Sondierungsprojekt entlang der baltischen Küste zu installieren. Wir werden die Generatoren aber etwas modifizieren müssen. Die Gezeiten in der Ostsee sind nicht so stark wie die im Atlantik. Mit ein wenig Glück werden wir die ersten im Frühjahr installieren können.”
    “Hat Zar Nikolaus dem Plan zugestimmt? Wie steht es überhaupt um die Unabhängigkeitsverhandlungen?”
    “Die Verhandlungen stecken schon seit einiger Zeit fest. Der Zar setzt sich allen Unabhängigkeitsbestrebungen vehement entgegen und will nichts darüber hören, wie ein dickköpfiges Kind. Radikale Elemente auf beiden Seiten rufen nach Waffengewalt, aber das würde nur zu einem Blutbad führen, egal ob das Ziel ist, die revolutionären Elemente zu unterdrücken oder die russischen Eliten zu vertreiben. Persönlich würde ich eine bundesstaatliche Lösung bevorzugen, der gleiche Weg, den Österreich-Ungarn gegangen ist.”
    “Was auch zur Unabhängigkeit Polens geführt hat.” Ergänzte der ältere Alexandre. “Es war denke ich, ein glücklicher Umstand, das wir das Gebiet bereits erobert hatten, als Frieden geschlossen wurde. Die Polen fürchteten sich vor einem Massaker durch russische Truppen, wenn sie ihre Unabhängigkeit ausriefen.”
    “Ja, und genau diese Unabhängigkeit fordern jetzt auch die anderen Gebiete, die einst unabhängig waren. Das ganze Zarenreich ist ein Pulverfass und alle, die die Unabhängigkeit ihrer Volksgruppe oder Region wollen, suchen nach Schutzmächten, ähnlich wie es das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn für Polen war.” Der junge Alexandre war jetzt sichtlich erregt. “Die Osmanen haben bereits Verbindungen zu den moslemischen Völkern im Kaukasus und rund um das Kaspische Meer aufgenommen, sie warten sicher nur auf eine Gelegenheit, einzugreifen.”
    “Sie sind gut informiert, mein Freund.”
    “Das meiste sind nur Gerüchte, Mare…, Verzeihung, Joseph. Aber Gerüchte, die sehr plausibel sind und ich habe wenig Hoffnung, dass sich die Ereignisse vom Dezember 1914 in einem russischen Bürgerkrieg wiederholen werden.”
    “Ja, Weihnachten 1914…” Joseph erinnerte sich noch sehr gut. “Wer hätte es geahnt. Ich erinnere mich noch, wie mein Adjutant hereinplatzte und atemlos berichtete, das die Briten mit Deinen Truppen in den Schützengräben saßen und Weihnachtslieder sangen.”
    “Ich bin damals selbst in die Schützengräben gegangen, um zu sehen, was da vor sich ging. An jenem Abend traf ich auch zum ersten Mal Major Connolly, erinnerst Du Dich an ihn?”
    “Selbstverständlich, er war bei den Verhandlungen im Februar in Straßburg anwesend, nicht wahr? Der Offizier, dem ein Ohr fehlte.”
    “Genau, das ist er.”
    “Hältst Du noch Kontakt mit ihm?”
    “Sporadisch, aber ich sehe ihn nächstes Jahr, sein Sohn und die Tochter von Hauptmann, nein, Oberst Schwanke heiraten.”
    “Moment, Schwanke war doch in Deinem Stab und nahm an dieser Austauschmission teil, nachdem Das Abkommen unterzeichnet wurde. Das bedeutet ja…”
    “Dass sich seine Kinder und Connollys Kinder seit zehn Jahren kennen, ja. Wir ziehen die beiden viel zu häufig damit auf. In einem ihrer ersten Briefe an meine Frau stellte Connolys Frau bereits fest, dass die Art und Weise, wie James und Auguste sich nicht mochten, konnte nur bedeuten, dass sie später einmal heiraten würden.”
    “Weibliche Intuition.” Joseph wandte sich wieder dem jungen Alexandre zu. “Sind Sie verheiratet, mein Freund?”
    Das Gesicht des jungen Mannes verdunkelte sich. Joseph studierte seine Züge. Ja, er ist es.

    “Ihr Vater ist gegen die Verbindung?” Der junge Mann nickte. “Wenn Sie ihn das nächste mal sehen, dann bestellen Sie ihm einen Gruß von mir und sagen ihm, dass die Zeiten sich geändert haben. Wenn General von Kluck und Marechal Joffre als Freunde zusammensitzen können und Deutschland Lothringen an Frankreich als eine Geste der Freundschaft zurückgibt, sollte der Zar sich nicht widersetzen, wenn sein Sohn eine Braut aus dem Volk wählt.”
    “Gut erkannt und gesprochen, Joseph!”
    “Es ist nur die Wahrheit, Alexandre, also, eure Hoheit…”
    “Alexei ist vollkommen ausreichend, ich bin nur ein einfacher Ingenieur.”
    “Bitte, Alexei, stell Dein Licht nicht unter den Scheffel. Du weißt, was Krupp und Siemens zu Deiner Arbeit sagen. Du bist nicht nur ein einfacher Ingenieur, Du bist einer der Besten Deiner Generation.”
    Alexei Nikolaevich starrte auf die Tischplatte.
    “Verzeihen Sie meine Neugier, Alexei, aber wissen Sie, weshalb sich Ihr Vater so gegen all die Neuerungen sträubt, die im Rest Europas inzwischen selbstverständlich sind?”

    “Er ist ein sehr gläubiger Mensch und betet jeden Tag um einen Fingerzeig, der beweist, dass er im Recht und die alte Ordnung die richtige ist. Er hat sich mit Speichelleckern umgeben, die ihm sagen, was er hören will, und viele von ihnen sind Mietlinge meines Onkels Peter, das macht alles noch viel schlimmer. Die nächste Hungersnot kommt bestimmt. Die Ukraine produziert genug Getreide für das Reich, aber Russland hat nicht die Möglichkeiten, den Überschuss zu verteilen. Wir haben kaum befestigte Straßen, nur wenige Zugstrecken. Manchmal wünsche ich mir, Hindenburg wäre nach Sankt Petersburg marschiert.”
    “Aber eines Tages bist Du Zar.” wandte von Kluck ein. “Du kannst das dann alles ändern.”
    “Falls ich jemals Zar werde. Peter und seine Getreuen werden bestimmt einiges daran setzen, dies zu verhindern, sie wissen, dass sie alle nach Sibirien wandern, falls ich gnädig bin, wenn ich den Thron besteige.”
    Joseph nickte. Alexei konnte die Situation besser einschätzen als jeder andere. Es war ein offenes Geheimnis, dass Großfürst Peter seit einigen Jahren der eigentliche Herrscher Russlands war, während sich Nikolaus mehr und mehr zurückzog, ähnlich wie es Wilhelm II getan hatte. Doch während das Deutsche Reich einen pragmatischen Reichskanzler, einen Beamtenapparat und mit Wilhelm III einen brauchbaren Kronprinzen hatte, war Russland in der Hand eines Adligen, der an der Spitze eines Zirkels Okkultisten stand. Der Gedanke, der nächste Zar könnte ein Technokrat mit radikalen Reformplänen sein, war gewiss eine schreckliche Vorstellung für ihn.
    “Haben Sie einen Plan?”
    “Ja, aber er ist riskant. Haben Sie den Namen Gagik Ozanian schon einmal gehört, Joseph?”
    “Selbstverständlich, der Silberne Löwe von Yerevan. Oh…!”
    “Wie ich sagte, es wird riskant. Wir können Sankt Petersburg per Schiff in zwei Tagen von Danzig aus erreichen.”
    “Und der Kaiser hat dem zugestimmt?”
    “Der Kaiser weiß von nichts.” Erklärte Alexander von Kluck. “Er interessiert sich schon lange nicht mehr für Politik. Falkenhayn und Kronprinz Wilhelm haben dem Plan zugestimmt, vorausgesetzt, ich garantiere, dass sie beide im Zweifelsfall von nichts gewusst haben. Sie betrachten meinen Plan als das geringere Übel. Ihnen ist durchaus bewusst, dass Russland kein stabiler Nachbar mehr ist. Überall bröckelt und rumort es, niemand weiß, wann etwas passieren wird, aber jedem ist klar, dass der Tag nicht mehr fern ist. Da ist es natürlich besser zu wissen, wer der nächste Machthaber ist, als wetten zu müssen, ob es ein selbstsüchtiger Okkultist oder fanatischer Revolutionär wird.”
    Joseph Joffre nickte. “Das leuchtet ein. Haben Sie den Armeniern ihre Unabhängigkeit versprochen, wenn der Coup gelingen sollte?”
    “Nein, wie ich bereits sagte, bevorzuge ich eine föderalistische Lösung. Einige Teilgebiete werden sicherlich größere Autonomie erhalten aber ich will auch die Grenzen des Reiches und eine gewisse zentrale Gewalt erhalten, sonst haben wir bald an mehreren Enden eine Situation wie auf dem Balkan vor 10 Jahren. Nein, gerade im Kaukasus würde es eine Entwicklung geben, die zu einem Flächenbrand werden könnte, der bis nach China reicht, und wenn die Quing-Dynaste fällt, kann das wieder ganz andere Konsequenzen haben.
    Ich habe auch bedacht, dass Ozanian Leute aus dem ganzen Reich befehligt. Seine beiden Stellvertreter sind ein Georgier und ein Tartare. Ich möchte, dass das Volk weiß, dass alle Teile und Völker des Reiches zusammenarbeiten müssen, damit sich etwas zum Guten ändert.”
    “Und wenn das Unternehmen scheitert?”
    “Dann, Joseph, hoffe ich, Großfürst Peter und sein Klüngel mit mir zu nehmen. Ich werde auf jeden Fall mit Ozanian nach Sankt Petersburg gehen.”
    “Aber Alexei, Sie sind, wie allgemein bekannt ist, sehr krank. Die kleinste Verletzung kann tötlich sein.”
    “Nicht mehr, mein Freund, Alexei, hast Du etwas dabei.”
    Der Zarewitsch grinste und griff in eine Tasche seiner Weste. “Selbstverständlich.”
    Eine Phiole rollte über den Tisch zu Joseph Joffre, der sie vorsichtig aufhob.
    “Ein Heilmittel?”
    “Nicht ganz. Ich muss es nehmen, wenn ich mich verletze und kann es wahrscheinlich auch nehmen, wenn ich Verletzungen erwarte, aber bisher ist nicht bekannt, wie lange die Wirkung vorhält.”
    “Das Präparat wurde von zwei Ärzten am Pasteur-Institut entwickelt.” Ergänzte von Kluck. “Interessanter Weise trafen sich Doktor Martin und Doktor Lagneaux an der Front, sie haben in einem Lazarett zusammengearbeitet. Ich möchte gar nicht darüber nachdenken was passiert wäre, wenn der Krieg länger gedauert hätte, so viel möglicher Fortschritt wäre verloren gegangen.”
    “Ich denke auch oft darüber nach.” Stimmte Joffre zu. “Vielleicht haben wir ein neues finsteres Mittelalter verhindert.”
    “Meine Heimat steckt im Mittelalter fest. Nichts hat sich seit Jahren geändert, und nichts bedeutendes seit die Leibeigenschaft abgeschafft wurde.”
    “Ja, Alexei.” Joffre ging zu einer Vitrine und öffnete sie. Er kam mit drei Gläsern und einer Flasche zurück. “Aber Sie sind ein junger Mann mit den richtigen Zielen und Feuer im Herzen.”
    Er stellte die Gläser auf den Tisch und füllte sie mit Cognac.
    “Einen Toast, meine Freunde. Auf verhinderte Schrecken und die Zukunft, die wir schaffen wollen!”

    Und nun ein Sneak Peek:

    Ein Tag in Berlin

    General von Lettow-Vorbeck war besorgt, er hielt den dritten Bericht seines Kolonialinspekteurs in den Händen, der den Verlust einer Patrouille enthielt. Drei Patrouillen in einem Jahr. Was die Sache verschlimmerte, war, dass ihm sein südafrikanischer Freund und ehemaliger Kriegsrivale Jan Smuts bereits 1922 das erste Mal in einem Brief von verschwundenen Commonwealthtruppen berichtet hatte. Irgend etwas ging in Afrika vor sich, und er würde herausfinden, was das war, selbst wenn er zu Fuß nach Deutsch Ostafrika gehen müsste. Es war Zeit, den kurzen Dienstweg zu nehmen.

    Paul von Lettow-Vorbeck

    “Paul, was verschafft mir die Ehre?” Reichskanzler von Falkenhayn saß bereits am Tisch im Restaurant Horcher, als von Lettow-Vorbeck ankam. Das Restaurant war bekannt dafür, viele prominente Gäste zu haben, da fielen zwei Politiker, selbst wenn einer der Reichskanzler war, kaum auf.
    “Lass uns erst essen und dann nachher bei einer Zigarre darüber reden, ich habe mir sagen lassen, die Medaillons sollen ganz hervorragend sein.”
    Von Falkenhayn zog kritisch eine Augenbraue hoch. “Es muss etwas Ernstes sein. Russland?”
    “Russland ist nicht mein Gebiet, das solltest Du wissen.”
    “Dann also Afrika. Gut, Afrika ist weit, da kann ich ja in Ruhe essen.”
    Ein livrierter Kellner erschien an ihrem Tisch.
    “Haben die Herren bereits gewählt?”
    “Ich hätte gerne ein Selterwasser und auf Empfehlung des Herrn Generals die Medaillons.”
    “Selbstverständlich, Herr Reichskanzler, und was wünscht der Herr General?”
    “Ich nehme auch ein Selterwasser und die Lammkoteletten, davor noch bitte die Tagessuppe.”
    “Gerne, wünscht der Herr Reichskanzler auch noch eine Vorspeise?”
    “Nein, vielen Dank.”
    Der Kellner entfernte sich fast lautlos.
    Das Essen kam schnell und war vorzüglich. Zunächst plauderten von Falkenhayn und von Lettow-Vorbeck über die Planungen zu den Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Friedensabkommens, Falkenhayns bevorstehende Reise nach Japan und das letzte Spiel von Herta BSC, aber mit der ersten Zigarre kam von Falkenhayn direkt zum eigentlichen Thema.
    “Also Paul, was ist los? Willst Du wieder nach Afrika versetzt werden, und zwar schneller, als der offizielle Weg das erlaubt?”
    “Wenn es nur das wäre. Nein, ich will zwar nach Afrika, da liegst Du richtig, aber nicht, um dort wieder einen Posten anzutreten. Ich will Nachforschungen anstellen. Drei unserer Patrouillen sind im letzten Jahr einfach vom Busch verschluckt worden, jeweils 15-20 Mann. Für gewöhnlich zwei oder drei unserer Offiziere und Unteroffiziere, der Rest Askaris.”
    “Aha…”
    “Das ist aber noch nicht alles. Jan Smuts…”
    “Wer?”
    “Jan Smuts, er ist Minister in Südafrika und hat 1914 die südafrikanischen Truppen befehligt, wir haben aber nie gegeneinander gekämpft und sind jetzt befreundet.”
    “Ach so.”
    “Jan hat mir bereits vor zwei Jahren in einem Brief geschrieben, dass Südafrika immer wieder Truppen an der Nordgrenze verliert und dass es einige Unruhe deswegen in der Armee gibt, aber niemand weiß etwas Genaues.”
    “Könnten alles nur Zufälle sein.”
    “Vielleicht. Besser wäre es, wenn es Zufälle sind. Ich würde aber trotzdem einmal bei unseren britischen Freunden anfragen, ob sie auch betroffen sind. Wenn das der Fall ist, werde ich die Belgier und die Franzosen, vielleicht sogar die Portugiesen fragen. Ich will sicher gehen, dass wir herausfinden, ob und was da vor sich geht.”
    “Na gut, ich kann versuchen, in England Dinge halboffiziell herauszufinden, aber den Geheimdienst werde ich nicht bemühen.”
    “Das wäre ja auch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ich denke nicht, dass die Briten etwas in der Angelegenheit zu verbergen haben, falls es überhaupt eine Angelegenheit ist. Südafrika ist Teil des Commonwealth, die werden bestimmt nicht gegen ihre eigenen Leute vorgehen. “
    “In der Tat, na gut, ich sehe, was ich machen kann.”
    “Danke, dann möchte ich noch meine Versetzung nach Daressalam beantragen.”
    “Wieso das denn jetzt? Du hast doch gerade selbst gesagt, Du bist nicht sicher, ob überhaupt irgend etwas vor sich geht.”
    “Das stimmt, aber zum einen, bin ich im Winter lieber in Afrika als hier, meinen Posten kann in der Zwischenzeit gerne Oberst Brünninghaus in Vertretung übernehmen, er hofft sowieso mich zu beerben. Zum anderen ist es auch der Vorsicht wegen. Sollte tatsächlich irgend eine Gefahr im Busch lauern, bin ich bereits vor Ort und kann schon Vorbereitungen treffen.”
    “Gut, schick mir alle Papiere, ich winke sie persönlich durch. Und schicke mir bitte Abschriften der Berichte über unsere verschwundenen Patrouillen und eine Zusammenfassung dessen, was dieser Südafrikaner Dir geschrieben hat.”
    “Selbstverständlich.”
    “Sollen wir uns in einer Woche wieder hier zum Mittagessen treffen? Ich denke, bis dahin habe ich von London gehört.”
    “Sehr gerne, dann bis nächste Woche, Erich.”
    “Bis nächste Woche, Paul.”

    Auf der Fahrt zurück ins Reichskolonialamt überlegte von Lettow-Vorbeck, wie er die Sache angehen sollte. Zunächst musste er planen, was er alles mit nach Daressalam mitnehmen würde und wen. Dann benötigte er einen Platz auf dem nächsten Zeppelin. Er hoffte, dass bald einer nach Afrika flog, aber vielleicht musste er ein Schiff nehmen. Das würde alles um zwei bis drei Wochen verzögern, aber Zeppeline flogen auch nicht sehr häufig nach Afrika. Lieber zwei Wochen an Bord eines Kreuzers verbringen, als einen Monat auf einen Flug nach Afrika warten.
    Dann fragte er sich, ob er dem gegenwärtigen Gouverneur der Kolonie, Gustav Horten, über seinen Verdacht informieren sollte, entschied sich aber dagegen. Vorsicht war geboten, und wer immer für das verschwinden der Truppen verantwortlich war, hatte wahrscheinlich Informanten. Nein, es war plausibel genug dass er als ehemaliger Oberbefehlshaber der Schutztruppen der Kolonie aus persönlichen Gründen einen Besuch abstatten wollte. Er sollte aber nicht alleine kommen, jemand, dem er vertrauen konnte, sollte ihn begleiten.
    Etwas im Gedanken kam General von Lettow-Vorbeck im Vorzimmer seines Büros an. Sein Sekretär und Adjutant Leutnant Schilling blickte auf, als er eintrat.
    “Schilling, machen Sie ausfindig, wo Oberst Kraut gegenwärtig stationiert ist und sagen Sie mir bescheid, wenn Sie ihn gefunden haben. Die Sache ist eilig.”
    “Zu Befehl, Herr General.”
    Schilling verließ das Vorzimmer, wahrscheinlich auf dem Weg zur Telephonstelle, nun kam der lästige Teil, Antragsformulare, Bestätigungen, alles in mehrfacher Ausfertigung und an unterschiedliche Bereiche des kaiserlichen Verwaltungs- und Beamtenapparats.

    Reichskanzler von Falkenhayn war kaum in die Reichskanzlei zurückgekehrt, als ein Bote mit einem persönlich an ihn adressierten Brief eintraf. Er nahm diesen entgegen und bat den Boten, einen Augenblick im Vorzimmer zu warten, dann begab er sich in sein Arbeitszimmer, setzte sich in den bequemen Ledersessel seines Schreibtisches und öffnete den Brief. Die Nachricht war kurz und er hatte sie bereits erwartet. Heute war einer der interessantesten Tage seiner Zeit als Reichskanzler, dachte er sich, allerdings hätte er sich gewünscht, dass die Ereignisse eines solchen Tages etwas anders ausgesehen hätten.
    Er verfasste eine Antwort und übergab diese dem Boten, dann rief er bei seiner Frau an, um ihr mit zu teilen, dass Sie heute Gäste haben würden. Das war einer der praktischeren Vorteile, Reichskanzler zu sein, man hatte sein eigenes Telefon und bekam auch noch eines nach Hause.
    Pünktlich um 16:00 verließ von Falkenheyn die Kanzlei, um nach Hause zu fahren und sich auf den Besuch am Abend vorzubereiten.

    Es war kurz vor 19:00, sein Gast hatte darauf bestanden, das Treffen so informell wie Möglich zu halten, die von Falkenheyns hatten sich es sich aber nicht nehmen lassen, trotzdem für einige zusätzliche Annehmlichkeiten zu sorgen, schließlich war es das erste Mal, dass sie die möglicher Weise zukünftige Zarin kennen lernten, und es war einfach nur recht, es einer jungen Dame im Haus eines der mächtigsten Männer des Deutschen Reiches so angenehm wie möglich zu machen.
    Draußen hielt ein Wagen und kurz darauf berichtete Eduard, der Hausdiener, dass Herr Alexei Granaukas nebst Verlobter eingetroffen sei. Das Ehepaar von Falkenheyn empfing seine Gäste im Salon, bevor sie alle ins Esszimmer gingen, wo bereits der erste Gang aufgedeckt war.
    Der Abend verlief ausgesprochen angenehm, auch wenn die Gesprächsthemen sehr ernst waren. Der Zarewitsch plante, noch vor Ende des September gegen Großfürst Peter vorzugehen. Erich von Falkenheyn hatte angeboten, seine Verlobte, Mlle Eva Dequenne, eine Valonin, was die Gastgeber etwas überraschte, in dieser Zeit in seinem Haus aufzunehmen. Sie hatte dankend abgelehnt und gesagt, sie würde zu ihren Eltern nach Brüssel zurückkehren, bis Alexei zurück sei.
    Kurz vor Mitternacht verabschiedeten sich Alexei und Mlle Dequenne. Beide würden bereits am nächsten Morgen nach Danzig abreisen, für von Falkenheyn hieß das, zusammen mit dem Generalstab all die Szenarien durchzugehen, die sie für den Fall einer Revolution oder eines Putsches in Russland entworfen hatten.
    Es kamen wieder unruhige Zeiten auf Europa zu.


  • Ein Tag auf der RPC 2013 in Köln mit Soirée im Anschluss

    Am vergangenen Samstag war ich auf der Role Play Convention in Köln, nachdem ich die letzten 13 Jahre auf keinem vergleichbaren Event mehr war, war das mehr als bitter nötig.
    Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich treten könnte, hier nicht schon mal früher einen Abstecher hin gemacht zu haben. Zumindest in den Jahren 2000 bis 2004 wäre das durchaus drinne gewesen.
    Ich hätte mich allerdings noch viel mehr getreten, wenn ich erfahren hätte, wer dieses Jahr alles auf der RPC war, wenn ich nicht hingegangen wäre. In so fern war es also fast schicksalhaft, dass ich da war.
    Der Besuch begann schon sehr gut. Ich wusste nicht genau, wo ich lang musste, aber vor mir gingen zwei imperiale Offiziere (vom Todesstern). Ich ging einfach hinterher und fragte nebenbei, ob sie von der 501. Legion wären, was sie bejahten.

    In der Messehalle selbst (die RPC fand in der Messe Köln statt) fielen mir gleich mehrere recht junge Steampunker auf, die ich gleich ansprach ob sie Mitglieder im Rauchersalon seien, waren sie aber nicht. Sie haben sogar ziemlich verwirrt ausgesehen, naja. Ich habe mir dann erst mal die ganze Halle angeschaut, die Cosplayer und vor allem die anderen Mitglieder der 501. Legion bewundert und noch mehr Steampunker gesehen.
    Dann habe ich Anja Bagus angerufen, die mir auch gleich beschrieb, wo sie stand und nach gefühlten siebeneinhalb Stunden Suche durch die Halle habe ich sie dann auch gefunden. Bei ihr stand der Herr Hoffmann von Feder & Schwert, womit ich gleich zwei Online-Bekanntschaften auf einmal in reale verwandeln konnte (da kamen noch mehr hinzu im Laufe des Tages).

    Anja war mit Gefolgsleuten da, und wir sind dann erst mal ein wenig über die Convention gezogen. Es war wirklich auffällig, wie viele Steampunker rumliefen, die waren zusammen mit den Piraten wirklich die beliebteste Kostümierung. Wir werden doch nicht etwa Mainstream?

    Die Stunden auf der RPC vergangingen wie im Flug, es gab so viel zu sehen. Besonders einprägsam war meine Begegnung mit Joe Dever, dem Autor der Einsamer Wolf Rollenspielbücher, er ist auch unten in der Gallerie, und die weibliche Version des Silent Hill Pyramid Heads. Letztere hat nicht wirklich irgendwas mit Steampunk zu tun, ist aber für sich genommen schon ausgesprochen großartig.
    Ach, die Herren, die im Eigenverlag in Österreich ein Steampunkrollenspiel herausgebracht haben, sollen auch nicht unerwähnt bleiben. Näheres gibt es unten in der Bildergallerie.

    jedenfalls war es dann im Handumdrehen kurz vor 19 Uhr und ich habe mich zusammen mit Anja Bagus und Begleitung ins Galiley begeben, zum Steampunk Soirée. Da gab es dann gutes Essen, eine sehr interessante Variante des White Russian (mit Sprühsahne und Schokosplittern) und jede Menge gute Gespräche über Steampunk, LARP, Optionen für den EuroSteamCon in Deutschland und die Erkenntnis: Online Trolle bekommen das Maul nicht auf, wenn man sie real trifft. War ja zu erwarten.

    Also ein äußerst gelungener Tag und nächstes Jahr geht es hoffentlich wieder auf dei RPC

    Und hier noch einige Bilder:


  • Nautilus 106: Steampunk und Frankenstein’s Erben

    Es dampft, zuckt und blitzt in der Ausgabe 106 des monatlichen Fantasy-Magazins NAUTILUS – Abenteuer & Phantastik. Die pünktlich
    am Tag des Weltuntergangs erschienene Ausgabe erzählt von Pulp, Steampunk, Strahlenwaffen, Marsianern, Tentakelmonstern und
    Frankenstein-Geschöpfen.

    Nautilus 106 Cover

    Die Januar-Ausgabe der NAUTILUS kommt zum Jahreswechsel nostalgisch daher und beschwört die Zeiten alter Stummfilme und
    Pulp-Heftchen herauf sowie das Flair von Gaslicht, Dampf und Æther, Luftschiffen, Blitzmaschinen und Strahlenkanonen, Homunkulis
    und Chimären. Konsequent etwa hat Regisseur Tim Burton seinen skurrilen Stop Motion-Puppenfilm „Frankenweenie“ in schwarz-weiß
    gedreht als Hommage an klassische Frankenstein-Mythen: Der junge Viktor reanimiert darin seinen geliebten toten Hund per
    Blitzapparatur. Wie der Dreh am Set funktionierte, erklärt im Heft der Kameramann Peter Sorg. Ein Begleitartikel erzählt vom
    originalen Frankenstein-Roman von Mary Shelley und was die Hollywood-Filmmaschinerie daraus erschaffen hat. Und passend zum Thema
    gibt es Sachartikel und Filmübersichten zu gezüchteten Chimären als Mischwesen zwischen Tier und Mensch sowie zu den Kindern des
    Golems: künstliche Menschen, Replikanten, Androiden und Cyborgs in Phantastik und Wissenschaft. Weiter geht es zu Jules Vernes
    Tauchboot, der Nautilus von Kapitän Nemo, und der Frage, was Tintenfische und Kraken mit Pulp und Steampunk zu tun haben. Im
    Interview berichtet der Film-Designer Greg Broadmore entsprechend über sein Pulp-Universum des Dr. Grodbort, in dem mit
    Strahlenkanonen bewaffnete viktorianische Gentlemen auf der Venus auf Großwildjagd auf eben solche Tentakelmonster gehen. Der
    deutsche Produzent und Regisseur Dirk Müller berichtet über sein Steampunk-Filmprojekt „Airlords of Airia“ mit gepanzerten
    Luftschiffen, und SFX-Zauberer Samuli Torssonen gewährt einen Blick auf die dunkle Seite des Mondes zur Entstehung des pulpigen
    SF-Films „Iron Sky – Wir kommen in Frieden“. Zudem im Heft sind Interviews und Berichte zu den Clockwork Punk-Romanen „Die
    Mechanik des Herzen“ und „Die zerbrochene Puppe“, zum „Steampunk Holmes“-Universum sowie zu Jeff Waynes Bühnenshow des „War of the
    Worlds“-Musical, das ab Januar mit Orchester, riesigen Marsianern, Laserbeamern und Darsteller Liam Neeson als
    Vollkörper-Hologramm auch durch Deutschland touren wird. Die Produzentin Gabriele Walther berichtet schließlich über
    Blechdosenritter und genietete Feuerdrachen in „Ritter Rost“, die Spieledesigner von Daedalic erzählen von der Entwicklung der
    Games-Trilogie zum retrofuturistischen Schrottplaneten „Deponia“, und im Steampunk-Adventure „Dishonored – Die Maske des Zornes“
    treibt Walöl statt Dampfkraft die wunderlichen Maschinen an.
    A propos Walfisch: Wer es sowohl besinnlich wie abenteuerlich mag, wird an „Life of Pi“ Gefallen finden, der Verfilmung des
    Abenteuerromans „Schiffbruch mit Tiger“, über die Regisseur Ang Lee und Produzentin Elizabeth Gabler im Heft berichten. Der Film
    zeigt nicht nur ein sinkendes Schiff, sondern auch einen leuchtenden Wal, fliegende Fische, eine von Zwergmangusten bevölkerte
    schwimmende, fleischfressende Insel und wie ein junger Inder zusammen mit einem hungrigen Tiger mehrere Wochen an Bord eines
    Rettungsbootes auf hoher See überlebt. Am Ende des Films muß jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden, ob es sich bei der
    Geschichte um ein spiritistisches Wunder des Überlebens oder um ein Lügenmärchen handelt.

    Für die Zeit nach dem Schiffs- oder Weltuntergang läßt sich auf www.fantasymagazin.de nicht nur die gesamte Ausgabe kostenlos
    online durchblättern, sondern es gibt auch einen Ausblick auf die im Januar erscheinende NAUTILUS 107. Dort wird es die komplette
    Kino-Jahresvorschau auf alle phantastischen Filmes des Jahres 2013, neue Fantasy- und Mystery-Serien im TV und Higlights auf DVD
    geben sowie einen Setbericht zu den Dreharbeiten von „Der Medicus“, ein langes Gespräch mit „Der Hobbit“-Regisseur Peter Jackson,
    Interviews mit „Game of Thrones“-Darstellern zur neuen Staffel und u.a. Features zu „Les Miserables“ und „Warm Bodies“. Die
    NAUTILUS gibt es im Handel als Printmagazin sowie als ePaper an digitalen Kiosken, und seit Dezember gibt es auch eine kostenlose
    App für das iPhone und das iPad.