• Steampunk Literaturtipps

    Ich mag Literatur. Ich habe mein Staatsexamen in englischer Literatur mit Schwerpunkt auf African Post-Colonialist Literature gemacht, ich bin ausgesprochener Lovecraft Fan. Ich lese sehr viel. Aus diesem Grund möchte ich hier mal einige Literaturempfehlungen loswerden, für alle, die neu zu Steampunk gestoßen sind und sich mal einlesen wollen, hier eine Liste:

    Besonders empfehlen möchte ich allerdings Lavie Tidhars Bookman

    The Bookman

    Das Buch ist momentan nur auf Englisch verfügbar, aber, es lohnt sich! The Bookman ist das beste Steampunk Buch, das ich bisher gelesen habe und eines der Besten überhaupt.

    Eine ausführliche Rezension gibt es hier (auf Englisch) im „Mutterblog“ dieses Blogs.

    Eine Bitte noch: Wenn Ihr euch dafür interessiert, lest die Bücher und holt nicht die Hörbücher! Lesen ist wesentlich mehr Steampunk als Hörbuch hören. Eine Lady oder ein Gentleman liest!


  • Sherlock Holmes der Film

    Nach der Sherlock Holmes Lesung am Donnerstag wahren wir gestern in der Sherlock Holmes Verfilmung von Guy Ritchie. Ich fand den Film sehr unterhaltsam, wenn auch ein wenig überladen mit Action-Szenen.

    Besonders schön waren auch die Bilder und die Atmosphäre im Film insgesamt. Alles wahr sehr schön stimmig viktorianisch, einschließlich der Ganoven, Halunken und Halsabschneider in ihren speckigen Anzügen.
    Hier stach besonders der französische Hüne heraus. Ich war ja ganz froh, dass kein klischeehafter deutscher Bösewicht verwendet wurde… Die Musik ist auch sehr passend und immer der Situation angemessen, Szenen und Musik harmonieren sehr gut. Dies ist mir vor allem beim Boxkampf zwischen Sherlock Holmes und einem nicht näher genannten irischen Boxer aufgefallen. Während des Kampfes spielt ein lustiges Liedchen der Pogues (übrigens eine meiner bevorzugten Bands).

    Auch die Interaktion zwischen den Akteuren ist ausgesprochen komplex und glaubwürdig. Auch die zu Holmes und Watson gehörigen Damen sind mehr als nur Anhängsel.  Irene Adler, seltsamer Weise eine ehemalige Liebschaft Holmes‘ innerhalb des Hintergrunds, ist zuwilen schlauer als Holmes und Mary Morstan hat ein ziemliches Temperament und bildet ein Gegengewicht zum sehr beherrschten Dr. Watson.

    Wie erwähnt, es ist ein wenig zu viel Action im Film und Holmes neigt außerdem etwas zu sehr zu Gewalt. Im Film besitzt er außerdem einige manische Charakterzüge, die man aus der literarischen Vorlage nicht kennt. Zeitweise erscheint er wie besessen.

    Der herausstechende Charakter des Films ist allerdings weder Holmes, Watson, Adler oder Morstan, sondern vielmehr Lord Blackwood. Mark Strong spielt den Bösewicht sehr glaubwürdig und intensiv. Sein erscheinen auf der Leinwand dominiert jede Szene.

    Resümee:
    Sherlcok Holmes ist sehenswert, wenn man einen Actionfilm mit Humor vor viktorianischen Hintergrund sehen will. Für Fans der literischen Vorlage ist er allerdings nicht zu empfehlen, da er sich zu viele Freiheiten nimmt und die Atmosphäre des Films nicht der der Romane entspricht.

    Ich für meinen Teil fand den Film sehr unterhaltsam, wenngleich die Handlung etwas überfrachtet war.
    Man hätte für die erste große Holmes-Verfilmung vielleicht auch einen kleineren Plot als eine Empire-bedrohende okkulte Verschwörung nehmen sollen, auf der anderen Seite, wer weiß, was der nächste Film bringt, denn:

    Das Ende schreit nach einer Fortsetzung.


  • Sherlock Holmes Lesung

    So, wir  waren gestern auf einer kleinen, sehr feinen Lesung von „Sherlock Holmes und der Blaue Karfunkel“ im NIEDERLASSUNG in der Buttermelcher Straße 6 in München. Sehr fein, wirklich sehr fein. Der Laden war gesteckt voll, es gab superdelikaten Schokoladenkuchen und nette Begleitung hatten wir (meine Frau und ich) auch dabei. Die Idee hatte sowieso Anja, die uns über Facebook auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hat. War zwar etwas kurzfristig, die Lesung war gestern Abend, die Einladung kam gestern Nachmittag, aber es hat ja trotzdem geklappt.

    Sherlock Holmes macht ja durch den Film jetzt gerade einen ziemlichen Hype durch, was ich aber alles andere als Schlecht finde. Mehr Steampunk-Victoriana-Flair für die Massen!

    Gelesen wurde von Deef Pirmasens:

    Deef Pirmasens liest Sherlock Holmes

    Sehr angenehme Stimme, der Herr Pirmasens. Außerdem hat jeder Akteur der Geschichte seine eigene Stimme bekommen, was der Lesung noch mehr Tiefe gab.

    Musikalische Begleitung, sehr stimmige musikalische Begleitung, wurde geliefert von Sascha Biebergeil:

    Sascha Biebergeil, musikalische Begleitung

    Das hat auch sehr schön dazu gepasst und die atmosphäre sehr gemütlich gemacht. EIne ganz hervorragende Gesamtkomposition meine Herren! Großes Lob und vielen Dank!

    Ja, der Steampunk von Welt sollte sich und tut sich hin und wieder eine passende kulturelle Veranstaltung gönnen. Es ist ja nicht so, als seien wir ein ungebildeter Haufen von Rüpeln, oder wie es so schön im Englischen heisst, Ruffians.

    Also nochmal kurz zusammengefasst war das gestern ein sehr schöner, gelungener literarischer Abend. Solche Veranstaltungen macht das NIEDERLASSUNG öfter, das merke ich mir mal vor.


  • Eine deutsche Perspektive für Steampunks

    Sieht man sich die Steampunk-Landschaft (ich liebe zusammengesetzte Neologismen) an, stellt man fest, dass die Mehrzahl der Steampunks ihre Inspiration aus einem der folgenden Bereiche nehmen:

    Ich finde es durchaus schade, dass diese Auswahl auch auf deutsche Steampunks zutrifft. Dabei bietet die deutsche Geschichte zwischen 1840 und1914 genug Material um jeden Steampunk glücklich zu machen:

    1. Die Industrielle Revolution in Deutschland (primär Preußen)
    2. Der Vormärz
    3. Der Preußisch-Österreichische Krieg
    4. ZEPPELINE
    5. Massiver Ausbau der Eisenbahn
    6. Genug bekannte Wissenschaftler, Unternehmer  und Erfinder (Röntgen, Siemens, Krupp) für jede Geschichte. Wenn man die Fakten hier steamed, kommt eine ganze Menge bei raus.
    7. Ferdinand von Zeppelin
    8. Die deutschen Staaten und später das Deutsche Reich war mit dem größten teil der Welt, inklusive Großbritannien, dem Russischen Reich und den USA, befreundet
    9. Neu Schwanstein und andere romantische Elemente

    Also, der „historische“ Steampunk-Zeitraum bietet genug, auf dem man aufbauen kann, wenn man eine Gründerzeit-Perspektive wählt (so wie ich das getan habe).

    Das Deutsche Reich war damals noch nicht der Weltbösewicht, für das es später (besonders in Pulp-und Dieselpunk-Settings) genutzt wurde und wird.

    So, und zum Abschluss wieder ein nettes Zeppelin-Photo:

    Ein Zeppelin in Arabien (?)


  • Brieftauben zur Luftaufklärung

    Ich bin immer wieder erstaunt, auf was für Gedanken manche Vordenker schon in relativ früher Zeit gekommen ist. Mitten in der Belle Epoque ist doch tatsächlich ein deutscher Apotheker auf die Idee gekommen, Mini-Kameras (ein wirkliches Wunderwerk der damaligen Technik) Brieftauben um die Brust zu schnallen und so Luftaufnahmen zu bekommen. Eine Zeit lang hatte das Militär auch Interesse, sogar zweimal, wenn auch nur jeweils relativ kurze Zeit. Näheres im Wiki-Artikel, von dem ich hoffe, dass er faktsich korrekt ist…


  • Riese The Series, Kapitel Zwei

    Ich habe ja schon auf Dailysteampunk des öfteren über Riese the Series geschwärmt und tue das nun auch hier. Erstmal, Riese ist die beste Steampunk-bezogene Serie, die das Ætherweb zu bieten hat, es gibt da noch ein paar andere, die ich aber bei weitem nicht so gut finde. Eine ist meiner Meinung nach einfach nur seltsam, was daran liegt, dass sie als Tanztheater aufgezogen ist und das ist nicht mein Geschmack.

    riese hingegen ist prä-apokalyptisch mit einer Welt am Abgrund, schön düstert aber nicht zu düster und bietet eine ganze Reihe weiterer Facetten, die mich sehr faszinieren. Dazu gehören auch multiple Elemente aus der Edda.

    Die gesammte Serie gibt’s hier auf der Homepage von Riese the Series und hier ist die neueste Folge:


  • Wie gut, dass es das Ætherweb gibt

    Als Steampunk ist man ja bekanntlich Teil einer Subkultur innerhalb einer Subkultur. Alle Steampunks die ich kenne, kommen ursprünglich aus verwandten Subkulturen wie Metalheads, Gothics, Reenactern, Mittelalter-Fans (die nennen sich selbst bestimmt anders), mindestens ein BDSMler ist auch dabe und es finden sich natürlich jede Menge Rollenspieler. Dies ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da sich ja in den genannten Subkulturen jede Menge Rollenspieler tummeln.

    Näheres zum Thema Rollenspieler in diesen Subkulturen gibt’s übrigens bei: Rauchfuß: Der Cthulhu Mythos 70 Jahre nach Lovecrafts Tod. Aber dies nur am Rande bemerkt, ich schweife ohnehin ab.

    Wie gesagt, Steampunks sind ein Subset anderer Subkulturen, unsere Zahl ist also begrenzt. Umso erfreulicher ist es, dass wir uns dank des Ætherwebs (des Internets) sehr schnell online treffen und dann auch mal Zusammenrottungen in der wirklichen Welt planen und durchführen können. Der münchner Stammtisch wurde ja zunächst auch auf Clockworker geplant.

    Viel wichtiger ist aber die wirklich globale Vernetzung, die das Ætherweb bietet. Ich stehe dadurch persönlich in regelmäßigem Kontakt mit Steampunks in Belgien und den Niederlanden, den USA, Großbritannien und Kanada, Australien, Polen und sogar Argentinien (von den deutschen mal ganz abgesehen).

    Was mich hier ein wenig wundert: Franzosen sind dort, wo ich mich online rumtreibe extrem unterrepräsentiert. Ich glaube, ich habe bisher einen Franzosen auf Brassgoggles getroffen. Sehr seltsam, gerade die französische Belle Epoque so viel Steampunk-Elemente zu bieten hat, man denke nur an den Eifelturm.

    Jedenfalls bietet das Ætherweb ganz hervorragende Möglichkeiten der Kommunikation und Organisation für Steampunks. Gerdae jetzt wird auf dem Brassgoggles Forum ein Gift-Exchange Program für Googlemass und Air Kraken Day organisiert. Vor 20 Jahren hätte man das alles noch per Telefon oder Brief machen müssen. Wie gut, dass es das Ætherweb gibt. Es hilft, alle Steampunks dieser Welt zu vereinigen.

    Und jetzt noch was für’s Auge, das ich auf einem anderen Blog gefunden habe:

    Steampunk Lincoln Android