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  • Ich habe eine Woche keinen Kaffee getrunken – Das kam dabei raus

    Auf Dinge zu verzichten um gesünder zu leben liegt ja voll im Trend, deshalb habe ich in der vergangenen Woche selber ein Experiment gewagt und komplett auf Kaffee verzichtet. Genauer gesagt, ich habe auf „anregende Heißgetränke“ verzichtet, also auch kein schwarzer Tee, grüner Tee oder ausgekochte Guave-Beeren und so Zeug.

    Statt dessen bin ich auf Milch, heiße Schokolade und diverse Früchtetees umgestiegen. Hier ist mein Tagebuch und ein Abriss der Ereignisse, ihr werdet erstaunt sein:

    Montag:

    Ich hatte zum Frühstück zwei Tassen Kaba (von der Aldi-Hausmarke) schmeckte irgendwie nach Grundschule, aber war OK.

    In der ersten Pause habe ich dann am Kiosk in der Schule eine kleine Packung Vollmilch gekauft. Die Koffeinentzugskopfschmerzen (wunderbares Wort) blieben aus.

    Abends habe ich statt der üblichen großen Tasse Earl Grey einfach Pfefferminztee getrunken. Um 21:00 war ich dann aber schon wirklich müde und habe wie ein Stein geschlafen. Interessant: Ich habe aktiv von nichts geträumt, also ich kann mich an einen Traum erinnern, der komplett leer war.

     

    Dienstag:

    Statt Kaba hatte ich einfach nur ein Glas Milch zum Frühstück. In der Schule in der Pause statt Milch einen Smoothie. Kopfschmerzen hatte ich immer noch keine und die kamen auch nicht. Die Dame, der das Kiosk in der Schule gehört war übrigens etwas irritiert, dass ich keinen Kaffee mehr bei ihr hole, wo ich sonst 2-3 mal während der Schulzeit vorbei komme.

    Abends war ich dann noch schnell bei Rossmann um mal exotischeren Früchtetee zu holen, musste aber einen kleinen Umweg machen, weil Teile der Innenstadt von der Polizei abgesperrt waren. Hubschrauber der Bundeswehr waren auch im Einsatz. Es war aber nichts von Anti-Terror-Einsatz in den Nachrichten.

    Ich habe mir eine Packung Pfirsich-Mango-Tee geholt. Die Kassiererin glotzte mich aus trüben, leeren Augen an.

     

    Mittwoch:

    So gut bin ich seit langem nicht aus dem Bett gekommen. War schon um 05:00 wach und habe mir gleich den Pfirsich-Mango-Tee gemacht, ganz köstlich. Ich war so angetan, dass ich mir meinen Thermobecher damit befüllt habe.

    Allerdings war der Rest des Morgens hektisch. Die Öffies fuhren nicht und ich habe das zu spät gemerkt. Musste einen Kilometer zum Bahnhof rennen. Ging aber sehr gut, da ich ja gut ausgeschlafen war.

    In der Schule war auch alles in Ordnung. Sogar meine Sechste, die sonst so unruhig und frech ist, hat sich benommen. Die beiden größten Störenfriede haben auch gefehlt. Als ich den Klassensprecher fragte, ob sie krank seien, grinste er mich mit blutverschmierten Zähnen an und sagte: „Sie haben ihren Teil für die Rückkehr der Großen Alten getan.“ Das erfüllte mich mit Glück, dem schwarzen, kalten Glück, das zwischen den Sternen lauert.

    Außerdem musste ich in der Schule übernachten. Die Bahnlinie nach Hause war unterbrochen. Laut Radio hat ein Teil der Landschaft aufgehört zu existieren. Halb so wild. 200 Meter hinter der Schule steht ein Aldi, ich habe dort erst mal eingekauft. Der Himmel war grün und blau. Blitze kratzten über die Wolken.

     

    Donnerstag:

    Die Schule fällt heute aus, die Sporthalle wurde zu einer Notunterkunft umfunktioniert. Hin und wieder zucken Tentakel aus dem bleigrauen Himmel. Sie sind aber ziellos und blind. Der Aldi wurde geplündert. Ich habe mich um die letzte Packung Pfirsich-Eistee mit einem Anwohner geprügelt. Ich hatte eine Schaufel, er nicht.

    Am Abend habe ich dann ein noch fahrtüchtiges Auto im Straßengraben gefunden, der Schlüssel steckte. Habe mich auf den Weg gemacht.

     

    Freitag:

    Wie geil! Ich habe es tatsächlich geschafft, die ganze Nacht durch zu fahren, ganz ohne Koffein und andere Mittel. Habe eigentlich nur Milch getrunken und den Arm des Plünderers von Donnerstag verspeist.

    Bin fast in Hamburg, aber viele Straßen sind blockiert. Horden irrer Menschen ziehen umher, aber sie scheinen sich vor meinem Auto zu fürchten. Habe am Nachmittag eine Tankstelle gefunden, die noch funktionierte, aber verlassen war. Habe den Tank voll gemacht und die ganze Müllermilch aus dem Kühlregal genommen. Mal ein wenig Abwechslung. Hey! Ich habe die Woche fast geschafft.

     

    Samstag:

    Bin fast bis zur Nordseeküste gekommen, musste dann aber umdrehen. Ein geistloser Mob kam mir auf der Autobahn entgegen. Zumindest muss ich nicht anhalten, habe ja genug Milch auf der Rückbank und daneben sitzt mein Proviant. Gegen Mittag passierte ich Bremen, die Stadt qualmt nur noch, die meisten Feuer sind ausgebrannt. Der Himmel verfärbt sich dunkler, die Tentakel scheinen jetzt häufiger Menschen vom Boden in den Himmel zu reißen.

     

    Sonntag:

    Ich habe die letzte Milch getrunken und bin zum Strand gelaufen. Meine Brüder und Schwestern aus der Tiefe warteten bereits. Wir sind gemeinsam hinaus geschwommen.

    Iäh Cthulhu! Iäh Dagon! Iäh Hydra! Die Welt der Sterblichen geht zu Ende und die Großen Alten sind zurück!

     

     

     

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