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  • Rezension: Die zerbrochene Puppe

    So, nachdem ich Die Zerbrochene Puppe jetzt schon seit einiger Zeit fertig gelesen habe, komme ich nun endlich dazu, eine Rezension zu verfassen.

    Die zerbrochene Puppe ist ein Gemeinschaftswerk von Judith und Christian Vogt, und meiner Meinung nach sollten die beiden öfter mal was zusammen schreiben. Judith hat ja sowieso in der deutschen Phantasieszene, gerade bei DSA Fans einen guten Namen.

    Aber nun zur Rezension:

    Was mir gleich von Anfang an gefallen hat ist das Setting: Die Welt der zerbrochenen Puppe ist die unere, allerdings trennen sich die Zeitlinien im 9. Jahrhundert. Zu dieser Zeit beginnt ein massiver Vulkanausbruch auf Island und das Klima ändert sich. Zum Zeitpunkt der Handlung, über 800 Jahre später, ist zumindest Europa in einer Eiszeit gefangen, die dazu geführt hat, dass sich vieles anders entwickelt hat und mancher technischer Fortschritt aus Not früher stattfand.
    Die Handlung folgt Naðan von Erlenhofen, einem niederen Adligen aus dem Deutschen Reich, der auf der Suche nach den Mördern seiner Frau ist, die wurde umgebracht, weil sie Ihre revoluzionäre Erfindung nicht verkaufen wollte.

    Die Suche führt ihn nach Æsta, einer Eisberg-Insel, die Stadt, Fabrik und Ölbohrplattform zugleich ist. Auf Æsta rumort es. Die arbeitende Bevölkerung wird von einer Plutokratenclique aus Adeligen und Industriellen unterdrückt und niemand scheint sich daran zu stören. Auf Æsta findet Naðan aber auch unvermutete Verbündete, zuerst einige Arbeiter und Prostituierte, sowie einen alten adeligen Freund, der ihm Zugang zur feinen Gesellschaft verschafft, später dann die ausgesprochen symaptischen friesischen Luftpiraten. Die Friesen sind eines der beiden großen Highlights des Romans, eine ganze Kultur immernoch eisenzeitlich-tribal lebender Menschen, die nie wirklich in ein Reich integriert wurden und immer noch ihre Jahrtausende alten Traditionen pfelgen und dabei Steampunktechnologie nutzen.

    Das andere Highlight ist die namensgebende zerbrochene Puppe Ynge. Ynge ist sehr seltsam und unheimlich. Am Anfang war ich mir nicht sicher, ob sie einfach die Manifestierung des Wahnsinns ist, von dem Naðan durch den Verlust seiner Frau erfasst wurde. Dann las ich aber, dass auch andere die Puppe sehen und musste diese Theorie verwerfen. Was hinter der Puppe steckt wird erklärt, ich hätte es persönlich besser gefunden, wenn das ein Geheimnis gebliegen wäre. Trotz dieses gelüfteten Geheimnisses bleibt Ynge eine ganz faszinierende Person und die eigentliche treibende Kraft der Handlung.

    Und nach all dem Lob kommt jetzt die eine Sache, die mir nicht gefallen hat: Naðan von Erlenhofen.
    Naðan ist ein geradezu unerträglicher Weichling, ab einem gewissen Punkt hat sich seine Stimme in meinem Kopf beim Lesen in ein weinerliches Wehklagen verwandelt. Obwohl er der Protagonist ist, reagiert er eigentlich den größten Teil des Buches nur, beklagt sich über sein Schicksal und wird durch die Ereignisse hin und her geschubbst. Die Puppe zeigt mehr Iniziative als er.
    Das ist aber auch wirklich der einzige Störfaktor dieses ganz wunderbaren Buchs.

    Also sind es dann auch  neun von zehn Zeppelinen.

    Steampunkliteratur aus Deutschland kann was!